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Original images: Fenia Kotsopoulou 2021

Verena Stenke VestAndPage Bald Head Girl Skull Thanatos
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Original image: Giulio Boehm 2012

Die deutsche Künstlerin Verena Stenke (*1981) und der venezianische Künstler und Autor Andrea Pagnes (*1962) arbeiten seit 2006 gemeinsam als VestAndPage in Performancekunst, Filmkunst, als Autoren und Publizisten und mit internationalen Community Projekten. Seit mehr als einem Jahrzehnt erarbeitet das Duo das Phänomen Performancekunst durch künstlerische Praxis, theoretische Forschung und kuratorische Projekte. Sie haben ihre Körperkunst unter antarktischen Gletschern, an den Ausläufern des Himalaya, in den Weiten Feuerlands, in russischen Enklaven oder in den dunklen Tiefen prähistorischer Höhlensysteme geschaffen. Ihre Werke werden an unkonventionellen Orten oder in Theatern, Museen, Galerien und Kinos weltweit präsentiert. Ihre situationsbedingte und psychogeographische Performancekunstpraxis bewegt sich zwischen Verkörperung und Forschung, dem Ungesehenen und dem Unvorhergesehenen, dem Unterdrückten und Unausgesprochenem, dem Vergessenen und dem Verdrängten. Sie sind Gründer und Direktoren der Venice International Performance Art Week, sowie Gastdozenten an europäischen Theaterhochschulen. Ihre poetischen und theoretischen Schriften werden international veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Aktuell präsentieren VestAndPage u.a. ihren Performancetext über Tuberkulose 1 9 Monolog, produzieren den neuen kollaborativen Performancefilm STRATA über Tiefenzeit, sowie momentum – Gespräche unter existenziellem Fokus mit Menschen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Die Performancepraxis von VestAndPage ist situationsbedingt und psychogeographisch konzipiert als Antwort auf natürliche Umgebungen, soziale Kontexte, historische Orte und Architekturen. Sie arbeiten an sogenannten "dünnen Orten", an denen die Grenzen zwischen Räumen und Zeiten am durchgängigsten sind. Sie erforschen Performancekunst als Dringlichkeit, welche die physischen, mentalen und spirituellen Körper in einer vertrauten aber zerbrechlichen Welt erforscht. In Krisenmomenten werden durch den Bruch mit Normen und bekannten Ordnungen Grenzen überschritten, um sich mit der vergänglichen Materie der Kunst und der Existenz zu verbinden. In einer anhaltenden "Poetik der Beziehungen" bewegen sich VestAndPage durch das Innen und Außen in Begegnung mit dem Anderen. Sie untersuchen Schwellen, die durch Instabilität und eine Konfrontation mit Zeit, Erinnerung, Kommunikation und der Zerbrechlichkeit des Individuums und des Kollektivs innerhalb sozialer und ökologischer Bereiche gekennzeichnet sind. In einer künstlerischen Reise von innen nach außen, vom Geistigen ins Körperliche, und vom Unsichtbaren ins Sichtbare, wenden sie das Vertrauen in Veränderung, Ausdauer, Vereinigung, Schmerzsublimation und Risikobereitschaft mit einem Fokus auf universelle menschliche Erfahrungen an. Sie widmen sich einem poetischen Ansatz im experimentellen, persönlichen Performancefilmen in extremen natürlichen und urbanen Umgebungen, und hinterfragen die Wahrnehmung der Realität, Beziehungen und  Informationen. Für VestAndPage kann Film die Raum-Zeit und das Unbewusste als kreative Kraft eröffnen, eine unverfälschte Unmittelbarkeit schaffen und scheinbar unverbundene Personen, Dinge und Ereignisse miteinander verbinden.

 

Zwischen 2010 und 2012 arbeiten und studieren Stenke und Pagnes in der Antarktis, Südamerika und Asien, wo sie u.a. die performance-basierte Filmtrilogie sin∞fin (2010-2012) produzieren, Performancezyklen erarbeiten und ihr internationales Netzwerk aufbauen.
 
Im Dezember 2012 initiieren sie die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK, das biennale Projekt der Performancekunst, das sie seit 2012 in historischen venezianischen Palazzos präsentieren. In Form der Trilogie des Körpers zeigt das Projekt bis 2016 einem breiten Publikum über 120 internationale Künstler*innen in Liveprogram und Ausstellung. Seit 2015 sind Pagnes und Stenke die pädagogischen Leiter des residenziellen Bildungsprogrammes Art Week | Summer Camp. Seit 2017 bietet die ART WEEK mit der "Co-Creation Live Factory "internationalen Performancekünstler*innen die Möglichkeit der Ko-kreation mit residenzialem Charakter.

Neben jährlichen Performancezyklen produzieren Stenke und Pagnes zwischen 2015 und 2018 den Performancefilm Spitzwegerich [en: Plantain] (2018). Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm wird auf der einmonatigen Performance-Wanderung des Duos von Norddeutschland über Polen ins russische Kaliningrader Gebiet im Mai/Juni 2015 an Originalschauplätzen gedreht, entlang der Fluchtroute von Stenkes Familie aus Ostpreußen im Winter 1945. 

VestAndPages poetische und theoretische Schriften werden in einer Vielzahl von Büchern und Zeitschriften veröffentlicht und übersetzt, u. a. in Performance ResearchJournal of Embodied Research (JER), Studio ResearchArt&Education, Flash Art, Research Catalogue, Ephemera Journal, Revista ExperimentaRepertório LivreNexus. Die von VestAndPage press publizierten englischsprachigen Bücher und Ausstellungskataloge untersuchen das intime Gewebe der Performancekunst.

 

VestAndPages long-durational Performances zeichnen sich durch Aktionen und sensorische Details aus, die das Konventionelle untergraben und Logik in Frage stellen. Diese Aufführungen haben eine Dauer von 24 Stunden (Fear vs Love vs Fear), 5 Tage und Nächte (Without Tuition or Restraint), oder können monatelang sein (Spitzwegerich).
 
VestAndPages Performancezyklen (Balada Corporal; Panta Rhei; Thou Twin of Slumber; Dyad; Aegis, Home) und Kunstfilme (sin∞fin; Spitzwegerich, SIGNUM, STRATA) werden an "dünnen Orten" in situ und aufeinander aufbauend entwickelt. Diese Werke drücken Stenkes und Pagnes Sicht auf die Welt und Wirklichkeit aus, während sie poetische Elemente als Möglichkeit der Resistenz gegen Diskriminierung entlarven.

 

Neben der Vermittlung ihrer Methodologie der kollaborativen Performances in immersiven Workshops und Co-Creations, unterrichten sie seit 2019 als Gastdozenten die Master of Performance Practices (HoPP) an der ArtEZ University of the Arts, und 2021 am MA Performance der Norwegian Theatre Academy.

Vor ihren künstlerischen, kuratorischen und publizistischen Tätigkeiten mit VestAndPage studierte die deutsche Künstlerin Verena Stenke Maskenbild in Würzburg und Baden-Baden, Integratives Theater und Orientalisches Theater in Florenz, und hat weitere Hintergründe in Zeitgenössischem Tanz und Kampfkunst. Der in Venedig geborene Künstler und Autor Andrea Pagnes studierte Philosophie, Moderne Literatur und Kreatives Schreiben, sowie Museologie und Kunstkritik in Venedig und Rom. Er arbeitete als Schauspieler, Autor und Regisseur in Integrativen Theatern in Florenz, sowie als freier Kurator, Glasbildhauer und Künstler und Koordinator für die Biennale von Venedig. Stenke und Pagnes lernten sich 2006 bei einem Integrativen Theatertreffen in Berlin kennen, begannen bald darauf ihre Zusammenarbeit als VestAndPage, und sind seit 2010 verheiratet.

 

Stenke und Pagnes wurden u.a. ausgezeichnet mit:

2021: Finalist Bester Experimentalkurzfilm (Boden International Film Festival);

2021: Preis Bester Experimentalfilm (Pixelgarage Award of Excellence);

2021: Projektförderung #TakeAction Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der BKM;

2020/2021: Projektförderungen #TakeCare Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der 

                     BKM;

2018: Preis Bester Film (Berlin Independent Film Festival);

2015: Projektförderung aus Mitteln der BKM;

2012: Stipendium Argentinische Nationaldirektion der Antarktis (Buenos Aires / Antarktis); 

2012: Stipendium Internationale Künstlerresidenz AIR Taipei (Taipeh); 

2011: Stipendium Internationale Künstlerresidenz SARAI at Centre for the Study of Developing Societies (Neu-Delhi, IN);

2011: Treviglio Videopoesie Preis (Italien); 

2011: Nassauer Kulturpreis (Nassau);

2010: Stipendium Internationale Künstlerresidenz CONFL!CTA (Punta Arenas, CL);

2010: Projektförderung Heinrich-Böll-Stiftung Freundeskreis (Berlin); 

2008: Storie Literaturpreis (Rom, A. Pagnes); 

2007: Art Kontakt Preis (Tirana); 

2000: Windsor & Newton Millennium Painting Award (London, A. Pagnes); 

1990: Robert-Schuman-Silbermedaille der Europäischen Union (Straßburg, A. Pagnes).

 

Performances und Ausstellungen wurden u.a. an folgenden Orten präsentiert:

Correr Museum und Stiftung Thetis, Venedig / Museum der Bildenden Künste, Leipzig / Berliner Kunsthalle, Ballhaus Ost, Kino Babylon und Maschinenhaus Theater, Berlin / Student Cultural Centre, Belgrad / Arnolfini, Bristol / Emma Hill Gallery und London Art Fair, London / Schlachthaus Theater, Bern / Taidehalli, Helsinki / Royal Academy of the Arts, Kopenhagen / Arti et Amicitiae, Amsterdam / National Art Gallery of Albania, Tirana / Kosovo National Art Gallery, Pristina / Boston Center for the Arts, Boston / Columbia University Macy Gallery, New York / VIVO Media Arts Centre, Vancouver / PVA Centre for Contemporary Art, Aberdeen / Salt Galata, Alt, Istanbul / Solyanka State Gallery, Moskau /  Goodman Arts Centre, Singapur / University Art Center, Chang Mai / 798 Art District, Peking / Taipei Artist Village, Taipei / Seoul Art Space, Seoul / Sarai Centre, Neu Delhi / Museo de Arte Tigre, Buenos Aires / Museo Universitario del Chopo, Ex Teresa Arte Actual und Stiftung Alumnos47, Mexiko-Stadt / CANTE, San Louis Potosì / Centro Cultural FIESP, Sao Paulo / Museo de Arte Moderno, Santo Domingo / MACC, Celarg Foundation und Museo Alejandro Otero, Caracas / Universidad Teatro de Chile, Santiago de Chile / Museo de Arte Contemporaneo, Valdivia.

 

Dozenten / Tutor / Mentor / Guest artists mit Seminaren, Lesungen und Workshops:

RCA Royal Academy of Arts London / SAIC School of the Arts Institute Chicago / NYU Steinhardt / ArtEZ Master's Theatre Practices / Norwegian Theatre Academy / University of Exeter / TeaK Theatre Academy Helsinki / Albanian University of Arts / Venice Academy of Fine Arts / European University of Cyprus / Athens Schools of Fine Arts / Gray's School of Art Aberdeen / Lingnan University Hong Kong / UNEARTE Caracas / Universidad Austral de Valdivia / Hong Kong Centre for Community Cultural Development / Artscape Toronto / Seoul Art Space / School for Curatorial Studies Venedig / SALT Galata Istanbul / BITEF Theatre, Instituto Italiano di Cultura Belgrad / Deutsches Institut Florenz / Goethe Institute Thessaloniki / Fabrica Braco de Prata Lissabon.

VestAndPage untersuchen universelle menschliche Erfahrungen durch das Prisma extremer Umgebungen: Sie nehmen das Vertraute und inszenieren es in einer epischen, fremden Landschaft. Das Ergebnis ist eine gesteigerte Realität: völlig surreal und zugleich so vertraut wie ein Traum.

–David C James, London City Nights

 

VestAndPage sind in der Lage, Bilder zu schaffen, die nicht nur intensiv und berührend sind, sondern im besten Sinne: neu.

–Dr. Ralf Peters

 

Für VestAndPage ist Performancekunst auch der heilige Kampf um die Freiheit des Menschen, jedes Einzelnen.

–Dr. Bernhard Stumpfhaus, Hanix Magazin

 

VestAndPage arbeiten nicht in großen Höhen. Der Schwindel kommt von anderswo.

–Santiago Cao, Performances in geschlossenen Räumen als geteilte Intimität

 

VestAndPage besuchen eine Grenze, die entlang des Schlafs und in der Nähe des Sterbens verläuft, entlang Erinnern und Vergessen. Sie deklarieren die Grenze dazwischen nicht, sie tanzen auf ihr. Und wir tanzen zusammen mit ihnen.

–Francesco Kiais, G.A.P. Gathering Around Performance

 

Stenke und Pagnes arbeiten an komplexen Themen wie Missbrauch, Kontamination, Tod, Einsamkeit, Zerbrechlichkeit, Ausgrenzung und Ablehnung. Verena und Andrea der sensiblen Körpern sind auf der Suche nach weiteren Empfindungen in denen, die sie beim Handeln beobachten.

–Jessica Berlanga Taylor, Proyecto Liquido: Fear

 

VestAndPage stellen unsere Vorstellungen darüber in Frage, was es bedeutet, in einem Körper zu sein. Sie beschwören romantische Ideen darüber, was jenseits der physischen Sphäre erlebt werden kann.

–Sandrine Schaefer, The Present Tense

 

Andrea Pagnes und Verena Stenke sind hier, um uns mitzuteilen, dass echte Kommunikation nicht durch mechanische, vermittelte Handlungen ersetzt werden kann, welche keine Relevanz haben, weil sie nichts vermitteln. Und dass die Notwendigkeit, als Individuum zu existieren, bereit, sich zu öffnen und alle Ängste auszutreiben, im einundzwanzigsten Jahrhundert akuter denn je ist, trotz aller kultivierter Illusion des kokonartigen globalen Dorfes.

–Dana Altman, Kunst & Vielfältigkeit